MOSSAUTAL. Europastaatssekretär Mark Weinmeister hat am Montag die Molkerei Hüttenthal in Mossautal (Odenwaldkreis) besucht und sich dort über die regionale Vermarktung von Milchprodukten informiert. „Am Beispiel der Molkerei Hüttenthal lässt sich sehr schön demonstrieren, welche Bedeutung derartige Unternehmen für die ländliche Wirtschaftsstruktur haben“, sagte Weinmeister im Gespräch mit den Inhabern Britta und Kurt Kohlhage. „Regionale Wertschöpfungsketten sichern nicht nur die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit, sondern zeugen von einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit.“

Die Molkerei Hüttenthal ist die letzte von sieben Molkereien, die es im Odenwald noch in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab. Sie besteht seit 1900 und ist seit 1912 im Besitz der Familie Kohlhage, inzwischen in dritter Generation. „Die Molkerei Hüttenthal ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit regionalen Produkten, kreativen Ideen und einem schlüssigen Konzept am Markt bestehen kann – auch und gerade auf dem Land“, sagte Weinmeister weiter. Deshalb setze sich die Landesregierung unter anderem dafür ein, dass die EU regionaltypische Lebensmittel durch spezielle Gütezeichen und Herkunftssiegel vor Lebensmittel-Piraterie schützt. Nürnberger Bratwürstchen zum Beispiel dürfen nur aus Nürnberg kommen, Thüringer Rostbratwurst nur in Thüringen gemacht werden.

Auch die Molkerei Hüttenthal profitiert von diesem europäischen Produktschutz, denn sie ist die einzige, die noch Odenwälder Frühstückskäse herstellt. Das ist eine „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g. U.). Sie bedeutet, dass ein Produkt in einem bestimmten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erzeugt, verarbeitet und hergestellt werden muss. Beim Odenwälder Frühstückskäse sind das der Odenwaldkreis und der Landkreis Bergstraße.

„Die Heimat und regionale Produkte werden gerade von der jungen Generation wiederentdeckt. Wir wollen, dass der ländliche Raum stark und attraktiv bleiben, denn rund 85 Prozent der Fläche Hessens sind ländlich geprägt. Jeder zweite Hesse lebt auf dem Land“, sagte Weinmeister. Mit der Offensive „Land hat Zukunft – Heimat Hessen“ bündele und verstärke die Hessische Landesregierung deshalb ihre Aktivitäten und stelle 2018 und 2019 insgesamt 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Dabei gehe es zum Beispiel um Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung, der Mobilität, der Infrastruktur oder der Sicherheit, aber auch um Sport und Kultur und die Förderung des Ehrenamtes.

Hessen sei bereits auf vielen Gebieten ein Spitzenland in Deutschland, sagte der Staatssekretär weiter. Die Landesregierung werde sich aber nicht auf den Erfolgen ausruhen, sondern weiter das Hessen von morgen gestalten. „Für uns ist Heimat kein verstaubter Begriff von gestern, sondern die gelungene Verbindung von Innovation und Tradition.“

Hintergrund

Die ländlichen Regionen stehen im Fokus der Regierungsarbeit. Die Landesregierung intensiviert ihre Anstrengungen, um die ländlichen Regionen für die Zukunft zu stärken. Sie setzt hierfür im Doppelhaushalt 2018 – 2019 rund 1,8 Milliarden Euro ein. Die Summe beschreibt erstmals die Haushaltsmittel, die die Landesregierung spezifisch für den ländlichen Raum zur Verfügung stellt. Es handelt sich ausschließlich um Landesmittel. Maßnahmen der Grundversorgung, wie zum Beispiel Lehrer, Polizei sind in diesem Ansatz nicht berücksichtigt. Ebenso wenig sind Mittel aus europäischen Förderprogrammen oder Bundesmittel, etwa für die Dorf- und Regionalentwicklung, eingerechnet.

Herausforderungen für die ländlichen Regionen stellen sich unter anderem in den Bereichen: gesundheitliche Versorgung und Pflege, Mobilität, Einkaufsmöglichkeiten, schnelles Internet, kulturelle Angebote, die älter werdende Gesellschaft und Abwanderung in die Städte. Zahlreiche Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren ergriffen wurden, haben dazu beigetragen, dass Hessen auch im ländlichen Raum bereit für Morgen ist. Diese Anstrengungen wird die Landesregierung fortführen und intensivieren; mit den Investitionsprogrammen für die Kommunen (KIP I und KIP II), dem Demografiefaktor im Kommunalen Finanzausgleich, dem Erhalt kleiner Grundschulen, dem Breitbandausbau, dem Gesundheitspakt und Mobilitätskonzepten.

Mit der Offensive „Land hat Zukunft – Heimat Hessen“ packt die Landesregierung weitere Projekte an, die auch die Regierungsfraktionen mit ihren Haushaltsänderungsanträgen möglich gemacht haben. Zu nennen sind zum Beispiel die Förderung von Bürgerbussen zur Sicherung der Mobilität mit je 1,3 Millionen Euro pro Jahr oder Pilotprojekte zur Aktivierung von Flächen in Innenlagen, um aufgegebene Gebäude und Leerstände zu vermeiden. Auch der Ausbau freier WLAN-Hotspots in den ländlichen Kommunen mit einer Summe von jährlich einer Million Euro wird die Attraktivität der ländlichen Kommunen fördern.

Weitere Informationen sind im Internet unter https://zukunftswochen.hessen.de zu finden.

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